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Schloß & Park Klein-Glienicke

Von Alexander Glintschert.

Schloß Klein-Glienicke“Märkische Heide, märkischer Sand” - die sprichwörtliche märkische Sandbüchse ist weithin bekannt - so sehr, daß sie in Form dieses Liedtextes sogar Eingang in die Musik gefunden hat. Viel Sand, hauptsächlich Kiefernwälder als Vegetation, nur ab und zu unterbrochen von ein paar Laubwäldern und ansonsten nichts - oder wenigstens nicht viel mehr - wer kennt es nicht, dieses Klischee über das Berlin-Brandenburger Land.

Und auch, wenn es vielerorts Bestätigung findet, gibt es doch einige Orte, die sich ihm vollkommen entziehen. Einer davon befindet sich am südwestliche Ende von Berlin. Man erreicht ihn, wenn man sich kurz vor der Glienicker Brücke nach rechts wendet. Grüne Wiesen mit gepflegten Beeten erstrecken sich über sanfte Hügel, in deren Mitte sich eine, wie es scheint, römische Villa erhebt, so daß man meint, in Italien angekommen zu sein. Daran schließt sich ein romantischer Park - oder ist es schon ein Wald? -, der den Wanderer einlädt, seinen idyllischen Wegen zu folgen, vorbei an herrlichen Buchen, kleinen Teichen und Wasserläufen, über die sich malerisch romantische kleine Brücken spannen. Hier öffnet sich plötzlich ein Ausblick auf die Havel, dort grüßt ein kleines Anwesen durch die Bäume hindurch. Vögel zwitschern, die Sonnenstrahlen fallen schräg durch das im Wind sanft rauschende Blätterdach der Bäume auf den Waldboden, der vom Vorjahreslaub bedeckt ist, zwischen dem sich kleine Blumen ihren Weg zum Sonnenlicht bahnen. Wer ganz still und aufmerksam ist, kann schon mal einen Hasen, ein Reh oder gar einen Hirsch bemerken. Sanft steigt der Weg zu einer beachtlichen Höhe an, hinter der sich plötzlich eine kleine Schlucht öffnet. Ein paar Schritte weiter steht der Wanderer plötzlich am Ufer eines Sees und blickt hinüber zur anderen Seite, von wo eine kleine, verträumte Kirche herübergrüßt.

Dieses einzigartige Fleckchen Erde ist der Glienicker Park mit seinem Schloß Klein-Glienicke. Wer es kennengelernt hat, fragt sich unwillkürlich, wie dieser idyllische Ort, der einen mitunter an südländische Gegenden erinnert, ausgerechnet nach Berlin kommt. Und so faszinierend wie er selbst ist auch seine Geschichte...

Die wichtigste Persönlichkeit, auf die die Entstehung dieses schönen Parks zurückgeht, ist sicherlich Prinz Karl von Preußen (1801-1883). Und doch beginnt die Geschichte des Lustschlosses Glienicke, wie es insbesondere von den Hohenzollernprinzen auch oft genannt wurde, und seines Parks schon eineinhalb Jahrhunderte vor ihm.

Im Jahre 1660 läßt der Große Kurfürst an der Stelle, an der heute die Glienicker Brücke steht, die erste Brücke über die Havel schlagen. Zu dieser Zeit ist das Gebiet auf der Berliner Seite ein einziger großer Wald. Einige Jahre später, 1677, wird in der Nähe der Brücke ein Forsthaus errichtet, um dem Kurfürsten bei seinen Jagden als Domizil zu dienen. Doch auch, wenn es nach seinem Tode zunächst verfällt, wird daraus später das heutige Jagdschloß Glienicke. Und die Weinberge, die der Große Kurfürst in seiner Umgebung anlegen läßt, können gewissermaßen als der Ursprung des heutigen Glienicker Parks angesehen werden. Die Chroniken jener Zeit berichten, daß von den Weinbergen jährlich bis zu eintausend Liter Wein gewonnen werden. Im Jahre 1803 jedoch vernichtet ein eisiger Winter die Rebstöcke.

1738 schenkt König Friedrich I. dem “Manufacturier” Gloppert nördlich der Glienicker Brücke eine kleine sandige Parzelle mit dem Auftrag, sich dort ein Häuschen zu bauen und die Anlage einer Maulbeerplantage zu versuchen. Gloppert ist jedoch trotz seiner Bemühungen wenig erfolgreich. Die Maulbeerplantage gedeiht nicht, und so läßt sich bereits 1747 der Arzt und Hofrat Dr. Mirow auf der Havelhöhe ein Wohnhaus errichten - der Vorläufer des heutigen Schlosses. Mirow war der leitende Arzt des Lazaretts, das inzwischen im benachbarten Jagdschloß Glienicke eingerichtet worden war. Nach dem siebenjährigen Krieg vermietet Mirow das Haus an einen General Möllendorf. In der Folgezeit kommt es zu mehrfachen Besitzwechseln, die jedoch von keiner großen Bedeutung für die weitere Entwicklung des Geländes sind.

Das ändert sich jedoch im Jahre 1796, als der königliche Oberstallmeister Graf Lindenau das Anwesen von einer Majorin von Stein für 23 000 Taler erwirbt. Er beginnt damit, den Landsitz zu verschönern, indem er parkähnliche Gartenanlagen im englischen Stile anlegen läßt. Damit begründet er den heutigen Park. Zu seiner Zeit wächst das Anwesen zu einem stattlichen Gut mit einem Herrenhaus, einem Billardhaus und mehreren Pavillons im Park.

1807 zieht sich Lindenau schließlich auf seine neumärkischen Besitzungen zurück. Er vermietet das Anwesen an den preußischen Staatskanzler Karl-August Fürst von Hardenberg, der hier seinen Sommersitz aufschlägt und dafür an Lindenau jährlich 400 Taler Miete zahlt. Später geht das Anwesen in die Hände eines gewissen Rosentreter über. Von diesem erwirbt es von Hardenberg, der sich mit den Jahren förmlich in dieses Gut verliebt hat, im Jahre 1814 für 34 500 Taler. Das Gut Klein-Glienicke, wie es mittlerweile heißt, umfaßt nunmehr bereits 389 Morgen. Von Hardenberg läßt das Mirowsche Wohnhaus durch den Baurat Andreas Ludwig Krüger zu einem Schlößchen umgestalten. Es entsteht ein dreiflügeliges Gebäude, das einen Gartenhof einschließt. Der Park wird durch den Schwiegersohn von Hardenbergs, Hermann Fürst von Pückler-Muskau, umgestaltet.

Im Jahre 1816 beauftragt von Hardenberg den Landschafts- und Gartenbaukünstler Peter Joseph Lenné (1789-1866) damit, den Park neu zu formen. Nach Lennés Plänen wird das Gebäude in einen kleinen Park eingebettet, der nach englischen Vorbildern als sogenannter “Pleasureground” gestaltet wird. Dieser Park, der eine Fläche von 116 Hektar einnimmt, erstreckt sich über drei Hügel, die von Lenné so angeordnet werden, daß sich zwischen ihnen ein Wiesengrund zur Havel hin erstreckt.

1822 ist das Todesjahr des Fürsten von Hardenberg. Das Gut geht in den Besitz seines Sohnes, des Grafen Hardenberg-Reventlow, über. Von diesem erwirbt am 1. Mai 1824 König Friedrich Wilhelm III. Schloß und Park für seinen und Königin Luises dritten Sohn, den Prinzen Karl von Preußen. Der zu zahlende Kaufpreis beträgt nun schon 51 000 Taler, da sich der Wert des Grundstückes mittlerweile durch den Bau der Berlin-Potsdamer Chaussee, die bei Glienicke über die Havel führt, erhöht hat.

Einigen Quellen zufolge ist das Gut das Hochzeitsgeschenk für den Prinzen Karl und seine Gemahlin, die Weimarer Prinzessin Maria, eine Schwester der späteren Kaiserin Augusta. Prinz Karl, ein begeisterter Italien-Reisender, Sammler antiker Kunstschätze und selbst engagierter Gartenbauer, beschließt, Glienicke zu seinem Sommersitz umbauen zu lassen. Und so verbietet er zunächst am 7. Mai 1824 der Öffentlichkeit den Eintritt in den Park.

In dem die nächsten drei Jahrzehnte andauernden Ausbau des gesamten Ensembles entsteht bis 1860 eine Parklandschaft, die einem ganz eigenen Konzept folgt, in dem Nord und Süd, Deutschland und Italien, idealisiert Ausdruck finden sollen. Der nördliche Parkteil mit seinen geschlossenen, waldartigen Partien repräsentiert die deutschen Lande. Der südlichere Parkteil zeigt hingegen weiteres, offenes Gelände. Dazwischen stellt ein für märkische Verhältnisse beachtlicher Höhenzug die Alpen vor, die Havel repräsentiert die Adria. Die Replik eines antiken Segelschiffs, verankert am Ufer, verstärkt diese schöne Illusion. Dieser dienen ebenso die zahlreichen Sichtverbindungen zu benachbarten Villen und nach Potsdam, wo sich die Kuppel der Nikolaikirche deutlich abzeichnet und eine Erinnerung an die Peterskirche in Rom verkörpert. Die Gebäude werden dementsprechend gestaltet. Im nördlichen Teil des Parks sind sie im gotischen Stil gehalten, im südlichen den römischen Villen nachempfunden.

Um dies zu erreichen, engagiert Prinz Karl so bedeutende Künstler ihrer Zeit wie Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), den Potsdamer Architekten Ludwig Persius, ein Schüler Schinkels, Christian Daniel Rauch und Friedrich Tieck. An der landschaftlichen Umgestaltung des Parks wirkt der Prinz, ein leidenschaftlicher Landschaftsgärtner, selbst mit, zieht jedoch für die hauptsächlichen Entwürfe Peter Joseph Lenné hinzu, der den Park bereits für den Fürsten von Hardenberg umgestaltet hatte. Und so entwickeln sich Schloß und Park Glienicke in den folgenden Jahren zu einer Art Gesamtkunstwerk von bleibender Geltung.

Das natürliche Terrain wird in den Park einbezogen. Die Anhöhen, die die Alpen zu repräsentieren haben, sind Ausläufer des Höhenrückens südlich von Berlin - des Teltow - und bis zu 60 Meter hoch. In der Eiszeit haben Gletscher hier ihre Endmoränen zurückgelassen, wovon die vielen Granitbrocken, die im Park belassen wurden, erzählen. Im nördlichen Teil des Parks, Richtung Moorlake, verstärkt sich der Waldcharakter des Parks. Laubholz herrscht hier vor, unter das sich nur vereinzelt starke Fichten und Lärchen mischen. Der Park wird mit allerlei antiken Trümmern förmlich garniert. Damit soll die Naturstimmung “geistig bereichert” werden. Und so trifft man immer wieder auf verwitternde Brunnenbecken, bemooste Sphinxe, antike Säulen mit Greifen und Löwen, Bruchstücke und altersgraue Figuren.
Doch nicht nur der Park wird neu gestaltet. Auch die Gebäude des Anwesens werden dem Gesamtkonzept entsprechend umgebaut, neue werden gebaut.

1824/25 errichtet Schinkel zuerst das Kasino, indem er das ehemalige Billardhaus am Havelufer im italienischen Stil umbaut. 1825 folgt der Umbau eines ehemaligen Gartenhäuschens zur sogenannten Kleinen Neugierde.

1826 erteilt der Prinz den Auftrag für den Ausbau des Schlosses zum Lustschloß und Sommersitz. Er nimmt die Jahre 1826 bis 1828 in Anspruch und wird ebenfalls von Schinkel vorgenommen. Schinkel entwirft das Schloß als römische Villa im Landhausstil, nach den Vorbildern der Pliniusvillen Laurentinum und Tuscum. Die bisherige dreiflügelige Anlage wird durch ein neu errichtetes Kavaliershaus mit Turm geschlossen. Im nun vollständig umschlossenen Gartenhof wird ein von Schinkel entworfener Brunnen mit einer Bronzekopie der antiken “Ildefonso-Gruppe” aufgestellt. Die Balkons werden mit blumengeschmückten Kratervasen verziert, fischreusenartige Ziergitter, mit zarten Pflanzen bewachsen, zwischen einem Pergolengang und dem Gartenhof angebracht. Darüber hinaus läßt der Prinz diesen Hof zu einer Art Antikensammlung gestalten. So erhält der Hof eine pompejanische Pflasterung, in die Hofwände werden antike Stücke eingelassen, die der Prinz von seinen Reisen in den Süden mitbrachte. Unter anderem finden sich hier Bruchstücke von Reliefs aus den Ausgrabungen bei Pompeji und Karthago, aus den römischen Thermen von Trier und von Taoramina.

Neben dem Gartenhof verfügt das Schloß auch noch über einen Wirtschaftshof. Dem Gartenhof kommt jedoch die größere Bedeutung zu. In der damaligen Zeit liegt hier sogar der Haupteingang zum Schloß - heute findet man ihn zur Straße hin an der Hauptfront. Dies entsprach dem biedermeierlichen Gedanken von Zurückgezogenheit und einer nach innen gerichteten Lebensweise. Dieser Eingang wird mit einem Säulenportikus versehen.

Im Inneren des Hauses wird das Treppenhaus mit Ornamentmalereien und Geländern aus glänzenden Messingstangen gestaltet. Die Tür des Speisesaals ist von Porphyrsäulen eingerahmt, der Saal selbst von dorischen Säulen in der Mitte getragen. Die Ausgestaltung der Räume wird ebenfalls von Schinkel vorgenommen, der bekanntermaßen auch ein begnadeter Innenarchitekt war. Unter anderem entwirft er das “Weiße Zimmer”, einen Raum mit Wänden aus glänzendem Stuckmarmor, verziert mit feiner Goldmalerei und schalenartigen Nischen. Dort stehen heute Büsten von Schinkel und Lenné. Auch das weiß lackierte, klassizistische Mobiliar stammt von Schinkel, genau wie das in Mahagoni gehaltene klassizistische Mobiliar im sogenannten ”Blauen Zimmer”. Extra für Glienicke werden Kronleuchter entworfen.

Im Kavaliershaus des Schlosses wird ein Marstall eingerichtet, der im Erdgeschoß Platz für vierundzwanzig Pferde bietet. Die Decke wird hier von gußeisernen Säulen mit korinthischen Kapitellen getragen. Die einzige, heute bekannte Darstellung dieses Stallraumes, für den wiederum Schinkel die Entwürfe liefert, ist das Gemälde “Das Pferd Agathon im Stall zu Glienicke” von Franz Krüger aus dem Jahre 1835. Agathon ist damals das Lieblingspferd des Prinzen. Im Obergeschoß des Kavaliershauses werden Wohnungen eingerichtet.

Zu Lebzeiten des Prinzen gingen im Schloß namhafte Gäste ein und aus. Unter ihnen finden sich Namen wie die des Bildhauers Christian Daniel Rauch, des Dichters Ludwig Tieck und seines Bruders, des Bildhauers Friedrich Tieck.

1828 erbaut Schinkel den Jägerhof. 1829 schließlich erhält das Schloß einen Turm. Die geschieht auf Anraten des Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV., eines Bruders von Prinz Karl. Weil Karl den Rat des Bruders, der einen ähnlichen Turm in Schloß Charlottenhof hatte bauen lassen, befolgte, wurde der Turm oft auch “der gute Karl” genannt.

Der Park wird von einer Mauer bzw. einem Zaun umgeben, um die Öffentlichkeit von ihm fernzuhalten. Nur einige wenige Tore gewähren den Zugang. Das Greifentor stellt dabei den Haupteingang zum Schloßpark dar. Auf Steinpfeilern stehen zwei in Zink gegossene und vergoldete Greifen, die vom Bildhauer August Kiss geschaffen werden. Am nördlichen Ende des Parks, gegenüber von Sakrow, erlaubt das Jägertor den Zugang. Erbaut von Ludwig Persius, besteht es aus gelbem Backstein und ist in der Form eines Tudorbogens gehalten. Damit ergänzt es den in unmittelbarer Nähe befindlichen Jägerhof. Das Hirschtor an der westlichen Seite zieren zwei Bronze-Hirsche. Und schließlich ist da noch das Wildparktor.

In den dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts werden weitere Gebäude errichtet: 1835 die Große Neugierde, entworfen von Schinkel, 1837/38 das Maschinenhaus. 1837 wird die “Löwenfontäne” aufgestellt, 1840 errichtet Persius das Stipadium und das Matrosenhaus.

Bereits zwei Jahre zuvor, 1838, legt Persius im Park des Schlosses einen Wasserfall an. Dieser Wasserfall wird in einem steilen Einschnitt des die Alpen symbolisierenden Höhenzuges plaziert. Er stürzt seine Fluten hinunter zum Jungfernsee, zu dem sich die Havel hier verbreitert - mit Potsdam auf der gegenüberliegenden Seite. Direkt über dem Wasserfall überspannt die sogenannte Teufelsbrücke die Schlucht. Sie wird bereits als Ruine angelegt und soll den Übergang über die Alpen symbolisieren. Als Vorlage für ihren Entwurf dient eine ebenfalls ruinöse Brücke unterhalb des St. Gotthard. Das fehlende Stück wird durch einen aus rohen Stämmen gezimmerten Holzsteg mit Geländer ergänzt, so daß die Brücke benutzt werden kann. Auf diese Weise wird die von Prinz Karl beabsichtigte romantische Symbolik vollendet umgesetzt.
Dies gelingt für den gesamten Park so umfassend, daß 1841 Helmut Graf von Moltke in einem Brief an seine spätere Frau Marie schwärmt:

    “Gewiß ist der Glienicker Park einer der schönsten in Deutschland. Es ist unglaublich, was die Kunst aus diesem dürren Boden zu machen gewußt hat.”

In den Jahren 1841 bis 1850 kauft der Prinz schrittweise Gelände hinzu. Wie die Chroniken berichten, handelt es sich einmal um eine ganze Gastwirtschaft für 10 000 Taler, ein anderes Mal wird von einem Matrosen namens Schulze lediglich Boden für einige 100 Taler erworben.
Jene Jahre bilden die Blütezeit von Schloß und Park. Ein heute längst unbekannter Dichter, Carl Bormann, veröffentlicht im Jahre 1849 einen schmalen Gedichtband mit dem Titel “Bilder aus Glienicke - Verse voller Frömmigkeit und viel Stimmung”. In seinen Gedichten wandert er über die Teufelsbrücke, die über eine “Felsenschlucht mit schäumendem Wasserfall” führt, der vom stillen “Thal der armen Hirten” ausgeht; und von einer “Römischen Bank im Garten” sieht er auf die Chaussee nach Potsdam.

Die gesellschaftlichen Umbrüche, die in der Revolution von 1848 ihren Höhepunkt finden, scheinen an Glienicke vorbeizugehen. Unverdrossen baut Karl weiter an seiner schönen Vision.

So wird 1849 das am Greifentor gelegene und im italienischen Stil gehaltene Pförtnerhaus errichtet, das wie eine Bastei mit einer Laubenterrasse wirkt. Bemerkenswert an diesem kleinen Gebäude sind die beiden Statuen griechischer Jungfrauen, die seinen Vorbau zieren. Ihre Entstehung geht gewissermaßen auf Christian Daniel Rauch zurück. Dieser hatte einige Jahre zuvor für die Römischen Bäder im Potsdamer Schloß Charlottenhof die berühmten Mädchenstatuen von Erechthion in Athen in Marmor nachgebildet. August Kiss, ein Schüler Rauchs und der Schöpfer der Statue des Drachentöters St. Georg, die sich heute im Nikolai-Viertel befindet, fertigt für das Pförtnerhaus nach ihrem Vorbild Entwürfe für Zinkguß, nach denen die Statuen dann geschaffen werden.

1850 ist schließlich das Jahr, in dem der Klosterhof entsteht, das vielleicht schönste Gebäude des Glienicker Schloß-Ensembles. In den Folgejahren werden weitere Gebäude errichtet bzw. umgebaut. Unter anderem entstehen die Orangerie und die sogenannte Wasserburg, die von Persius und von Arnim errichtet werden. Im Park des Schlosses werden nach und nach Skulpturen und Statuen aufgestellt, von denen die bemerkenswertesten wohl die Laitière und der Betende Knabe sind.

Zu Beginn der sechziger Jahre im neunzehnten Jahrhundert erreicht der Landschaftspark schließlich seine endgültige Ausdehnung. Dazu gehören damals der südlich der Berlin-Potsdamer Chaussee gelegene Park des alten Jagdschlosses Glienicke und der westlich des Dorfes Glienicke gelegene Böttcherberg - ein wichtiger Aussichtsberg mit wundervollem Ausblick auf die Havellandschaft und gleichzeitig das Bindeglied zu dem ab 1833 für den späteren Kaiser Wilhelm I., den Bruder von Prinz Karl, entstehenden Babelsberger Park. Auf diesem Berg läßt Karl zu Beginn der siebziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts die Loggia Alexandra errichten.

1883 markiert das Ende der Blütezeit von Schloß und Park. In diesem Jahr stirbt Prinz Karl, der bis zu seinem Tode Schloßherr in Glienicke blieb. Von seinen Erben wird das Schloß in den Folgejahren kaum mehr bewohnt. Nur wenige Jahre später stirbt auch Prinz Friedrich Karl (1828-1885), der Sohn, der als Held der Kriege von 1866 und 1870/71 und Eroberer von Metz gefeiert wurde. Er hatte kein Verständnis für die romantischen und antiquarischen Passionen seines Vaters entwickeln können. Ihm folgt als Schloßherr sein Sohn Prinz Friedrich Leopold (1865-1931). Doch dieser zieht sich schon bald auf das gegenüberliegende Jagdschloß zurück und überläßt das Schloß Glienicke sich selbst.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ist die Anlage, bestehend aus Schloß und Park, zwar immer noch im Privatbesitz der Hohenzollern, sie wird jedoch mittlerweile gar nicht mehr gepflegt. Der Verfall des Schlosses und aller Nebengebäude scheint unaufhaltsam, und der einst so schöne Lennésche Park ist mittlerweile völlig verwildert.

Und so notiert im Jahre 1924 Ludwig Sternaux in seinem Buch “Potsdam, ein Buch der Erinnerungen”:

    “Mit tausend Reizen lockten Park und Schloß, vom Dornröschenschlaf umfangen, doch zu verweilen, das Wunder zu enträtseln, Legende, die beides dunkel umschwärmte, aufzuhellen, zu ergründen - aber immer verwehrten Mauer und verschlossene Tore den Zutritt, und ungestillter Sehnsucht ging man resigniert weiter, auf Potsdam zu, nach Wannsee zurück. Die Mauer bröckelte, Tor und Gitter rosteten. Das Schloß verfiel, die Brunnen versiegten. Der Park verwilderte, die goldenen Löwen auf den Säulen sahen aus toten Augen verwundert auf das große Sterben ringsum. Von schwarzen Schwänen ging die Sage, die über stille Teiche gleiten sollten, von weißen Pfauen, Hirsch und Reh. Es hat sie nie ein Mensch gesehen. Das Wort des Prinzen Friedrich Leopold, der Erbe alles dessen, ohne es zu kennen, hält den Park verschlossen. ... Die Zeit hat alles vermorschen lassen, die vielen Ausblicke, die ‘Ahas’ sind verwaschen ...”

Schließlich wird Sternaux vom Prinzen August Wilhelm der Zutritt zu Park und Schloß gewährt. Er forscht der Geschichte des Anwesens nach, besucht die Pavillons und die Schloßgebäude. Was er vorfindet, ist eine Katastrophe. Der Hauswart rät ihm, den Hut aufzubehalten, denn “das Dach ist kaputt, es regnet durch, und ausgebessert wird nichts”. Der Schwamm frißt an den Wandmalereien Schinkels, Feuchtigkeit und Staub zerstören die Decken, Fußböden und Wände. Nirgendwo ist die Wandbekleidung, ob es nun antike Malereien oder Seidentapeten sind, unberührt. Fenster sind eingeschlagen, die Fußböden senken sich. Das Betreten der Balkons ist fast schon lebensgefährlich, die Treppen schwanken. Getan wird nichts dagegen.

Und so schreitet der Verfall ungehindert voran. Das nächste Kapitel in dieser traurigen Geschichte beginnt im Jahre 1927, als sich Prinz Friedrich Leopold, der Enkel des Prinzen Karl, entschließt, das bewegliche Inventar des Anwesens in bare Münze zu verwandeln. Bereits seit 1919 in Lugano in der Schweiz lebend, ist der Prinz kaum an Schloß und Park interessiert. Und so werden die Sammlungen aufgelöst und wertvolle Teile der Antikensammlung und des Inventars versteigert. Unter den Stücken, die so den Besitzer wechseln und Glienicke für immer verlassen, sind unter anderem ein Tafelaufsatz, der ein Geschenk des Kaisers Franz Joseph war, eine Bronzebüste Leopolds von Dessau, ein chinesisches Speise-Service aus 156 Teilen, die silberne Taschenuhr Friedrichs des Großen sowie viele Möbel und Ölbilder. Der Auktionskatalog umfaßt 600 Nummern, die über tausend einzelne Gegenstände betreffen. Nur für einige wenige Stücke gelingt es, ihre Versteigerung zu verhindern. Aufgrund massiver Proteste aus der Berliner Öffentlichkeit zieht Prinz Friedrich Leopold die Versteigerung einiger Artikel zurück. Darunter sind ein aus 38 Teilen bestehendes Waschservice aus rosa Milchglas, das von der Gemahlin des Prinzen Karl benutzt wurde, eine Flöte Friedrichs des Großen sowie die Totenmaske der Königin Luise, geschaffen von Christian Daniel Rauch. Einige andere historisch wertvolle Stücke werden von staatlichen Einrichtungen Preußens erworben, um sie an preußische Museen weiterzugeben.

Nach dem Tode Prinz Friedrich Leopolds im Jahre 1931 gehen die Versteigerungen in eine zweite Runde. Obwohl er zu seinen Lebzeiten recht wenig Interesse an Glienicke, dem Schloß und dem Park gezeigt hat, wird der Prinz dennoch auf dem Gelände beigesetzt. Seine letzte Ruhestätte findet er hier auf einem kleinen, ummauerten Friedhof. Hier sind auch die Gräber seiner drei Kinder zu finden, des abgeschossenen Fliegers Prinz Friedrich Karl, des verunglückten Reiter-Prinzen Friedrich Sigismund und der Tochter Margarete. Der Besitz geht an die Erben Friedrich Leopolds über, unter ihnen Prinz Friedrich Leopold d. J. und dessen Neffe, Prinz Friedrich Karl.

Das Jahr 1934 stellt einen Wendepunkt in der lang andauernden Verfallsgeschichte von Schloß und Park dar. In diesem Jahr erwirbt die Stadt Berlin den größten Teil des Parks. Ausgenommen davon ist der kleinere, südlichere Teil des Parks mit den beiden Schlössern und dem Pleasureground - dieser verbleibt zunächst im Besitz von Friedrich Karl Prinz von Preußen. Doch 1939 geht auch dieser Teil schließlich in den Besitz der Stadt über. Hinter dieser Übernahme steckt dabei eine Geschichte voller dunkler Machenschaften und unsauberer Geschäfte, deren Einzelheiten in dem Artikel “Wie Glienicke zu Berlin kam”. beschrieben werden.

Nach der Übernahme kommt es zu zahlreichen Maßnahmen und Eingriffen im Glienicker Park. Positiv zu vermerken ist dabei, daß nach all den Jahren des Verfalls die Wege verbessert werden. Auch eine Bepflanzung mit Unterholz wird vorgenommen. In Verkennung der Situation wird jedoch 1938 sogar die Teufelsbrücke, die von vornherein als künstliche Ruine angelegt war, “repariert”. Der fehlende steinerne Teil der Brücke wird aufgemauert, der Holzsteg entfernt.

Im unmittelbaren Schloßbereich werden jedoch schwerwiegende Eingriffe vorgenommen, die den Pleasureground stark beeinträchtigen. Insbesondere infolge des Ausbaus der Berlin-Potsdamer Chaussee, der heutigen Königstraße, im Rahmen der geplanten Errichtung der neuen, nationalsozialistischem Größenwahn entsprechenden “würdigen Eingangspforte für das neue Berlin” werden die Anlagen stark beschädigt. Die durch den Straßenbau gewonnenen Sandmassen werden in den Jagdschloß-Park geschüttet, wodurch alte Wege unter einer teilweise bis zu einem Meter mächtigen Sandschicht verdeckt werden. Um das neue “Einfallstor” zu Berlin errichten zu können, wird 1939 die Große Neugierde um einige Meter in nördlicher Richtung versetzt.

Doch auch das Inventar des Schlosses ist durchaus nicht gerettet. 1940 kommt es zu weiteren Versteigerungen, die den Bestand weiter verringern.

Doch all der Verfall und die Beschädigungen der vergangenen Jahre sind nichts im Vergleich zu den Schäden, die Schloß und Park im Zweiten Weltkrieg davontragen. Noch verbliebene Reste des Inventars und der Sammlungen werden nach Frankfurt/Oder geschafft, um sie zu schützen. Doch sie sollen niemals nach Glienicke zurückkehren, denn sie fallen dort bald darauf einem Brand zum Opfer. Im Mai 1945 wird der gesamte Komplex bei den letzten Kämpfen schwer mitgenommen. Artilleriefeuer zerstört das Schloß bis fast auf die Grundmauern, das Kavaliershaus wird zu großen Teilen vernichtet. Die Große und die Kleine Neugierde werden durch Granateneinschläge schwer beschädigt, der Klosterhof ebenfalls - in den letzten Kriegstagen durchschlägt eine Panzergranate die Mauer und richtet erhebliche Schäden an. Es kommt zu Plünderungen, die einige Raritäten des Klosterhofs verschwinden lassen. Sie sind bis heute nicht wiedergefunden worden. Die Verzierungen an den Gittern der Großen Neugierde werden abgebrochen, Zinkbänder gestohlen, und die Brüstungsmauer wird zerschlagen. Das wertvolle Madonnenmosaik über dem Portal des Klosterhofs wird durch Steinwürfe zerstört. Nur der kleine Waldfriedhof der prinzlichen Familie bleibt wie durch ein Wunder unversehrt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird im noch intakten Teil des Schlosses kurzzeitig ein Kinderheim untergebracht. Später wird es nacheinander als Lazarett und Fabrik genutzt. Durch die Teilung der Stadt gerät Glienicke jedoch in eine ungünstige Grenzlage, so daß es schon bald nicht mehr als Teil der zusammenhängenden Kunstlandschaft um Potsdam angesehen wird.

1951 wird das Schloß in ein Sportler- und Versehrten-Erholungsheim der Berliner Sport-Toto-GmbH umfunktioniert. Für die Übernahme erklärt sich die Gesellschaft immerhin bereit, die Restaurierung des Schlosses zu finanzieren. Und so beginnen die Toto-Gesellschaft und die Berliner Denkmalspflege mit der Restaurierung des Schlosses, wobei allerdings ein Neuausbau und eine Neueinrichtung “dem modernen Zweck entsprechend” beabsichtigt sind. Mit der Erneuerung des Schlosses wird der damalige Landeskonservator Berlins, Professor Scheper, beauftragt.

Im Rahmen dieser Erneuerung wird der Marstall im wiederaufgebauten Kavaliershaus zur Wohnung umgebaut - Zwischenwände werden eingezogen und Decken abgehängt. Die ehemals kleinen Schinkelschen Fenster werden nach unten hin verlängert, die Futtertröge und Heuraufen bei den Fensterarbeiten und beim Heizungseinbau zerstört.

Im Hauptbau und im früheren Kavaliersflügel werden völlig neuzeitliche Gästezimmer eingerichtet. Immerhin wird in einigen Gesellschaftsräumen im Obergeschoß der ursprüngliche Raumeindruck wiederhergestellt, mit Wandfarbe, Gesimsen, Türen und Türrahmungen von einst. Das Weiße und das Blaue Zimmer werden als “historische Räume” zu repräsentativen Zwecken stilgemäß möbliert, das klassizistische Mobiliar der beiden Räume wird den Schinkelschen Entwürfen entsprechend nachgebildet.

In nur 15 Monaten werden der Haupttrakt des Schlosses und die beiden Seitenflügel wiederhergestellt. In dem eingerichteten Erholungsheim werden versehrte Sportler kostenlos jeweils für einige Wochen aufgenommen. Später wird das Heim auch für Nicht-Sportler als Hotel zugänglich.

In den Jahren 1957 bis 1967 macht man sich schließlich daran, die gesamte Anlage zu renovieren und weitläufig zu restaurieren. Man plant sogar, fehlende Kunstwerke zu ersetzen. Im Rahmen dieser Arbeiten wird der 1942 von einem umstürzenden Baum zerstörte Löwe der Löwenfontäne ersetzt, das Hirschtor bekommt zwei neu geschaffene, bronzene Hirsche, der vor dem Schloß stehende Neptun-Brunnen mit Delphin, von Rietschel geschaffen, wird ebenfalls überholt. Auch mit der Wiederherstellung des Klosterhofs wird begonnen. Das zerstörte Madonnen-Mosaik wird durch die Nachbildung eines nicht minder wertvollen Mosaiks ersetzt. Auch das Stipadium und die Kleine Neugierde werden instandgesetzt.

In den Folgejahren wird der Lenné-Pücklersche Erlebnisgarten jedoch arg verschandelt. Ohne Rücksicht auf die originalen Lennéschen Pläne werden hier trennende Pflanzungen vorgenommen, dort Wege geändert. Brunnen und kleine Seen werden gnadenlos trockengelegt, Sichtbeziehungen innerhalb des Parks und zur Umgebung läßt man entweder zuwachsen oder pflanzt sie gleich ganz zu. Die Aufteilung des Areals in die Zuständigkeitsbereiche verschiedener städtischer Verwaltungen verhindert dabei abgestimmte Maßnahmen zur Erhaltung des Parkgeländes in seiner ursprünglichen Form. Es werden aufs Geratewohl Anbauten errichtet, ohne daß dabei die Gesamtanlage berücksichtigt wird - so werden Sichtachsen verstellt und Brüche im Baustil in Kauf genommen. Dies führt letztlich zur völligen Entstellung des historischen Parkzustandes. Erst 1966 gehen die Gebäude schließlich in die Hände der Schlösserverwaltung über.

Als im Jahre 1978 das Hotel aufgelöst wird, zieht die Heimatvolkshochschule in das Schloß ein. Im Jägerhof wird das Drogentherapiezentrum Synanon untergebracht.

Als in den siebziger Jahren auf DDR-Seite mit intensiven restauratorischen Bemühungen um die benachbarten Landschaftsgärten Babelsberg, Sanssouci und Lindstädt begonnen wird, weckt das erfreulicherweise auch auf westlicher Seite wieder das Interesse für die hier verbliebenen Reste der historischen Anlage.

So werden 1979 anhand von exakten Plänen Grabungen auf dem Gelände durchgeführt. Wie sich dabei überraschenderweise herausstellt, ist das ursprüngliche, von Lenné angelegte Wegenetz in großen Teilen immer noch vorhanden. Zutage treten auch alte Wasserleitungen und gemauerte Einfassungen von Blumenbeeten. Mit Blick auf das 1981 anstehende Schinkel-Jahr wird umgehend mit umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten begonnen. In diese bis zum heutigen Tage nach und nach fortgesetzten Arbeiten sind bisher insgesamt rund 7,5 Millionen Euro investiert worden.

Zunächst werden die ursprüngliche Wege wiederhergestellt. Gehölze werden an alten Standorten angepflanzt, trennende Pflanzungen, angelegt nach dem Tode von Prinz Karl, werden beseitigt. Der historische Parkzustand wird wiedererschaffen. Gleich zu Beginn der Arbeiten werden drei Fernblicke wieder freigelegt - überraschende Ausblicke kommen so zutage: auf das Schloß Babelsberg, die Havel, die sich hier zum Jungfernsee verbreitert, und auf die Potsdamer Nikolaikirche. Restauriert werden auch die “Wasserkünste”: der Lennébrunnen, der Säulenbrunnen, der Marmorbrunnen, die Laitière und der Pücklerteich. Betrieben werden sollen sie genau wie zu Zeiten Prinz Karls mit Havelwasser, das aus der Havel in den Park gepumpt wird, um dann nach Durchlauf durch die Brunnenanlagen wieder in die Havel zurückzufließen.

Die Restaurierungsarbeiten schließen auch die Kleine und die Große Neugierde ein, ebenso das Kasino. Allerdings verzichtet man darauf, die Große Neugierde, die 1939 mehrere Meter in Richtung Norden versetzt worden war, wieder auf ihren ursprünglichen Platz zu stellen. Der Jägerhof wird von entstellenden Umbauten befreit und die Gebäude werden wieder mit Riet gedeckt, alte Tür- und Fensteröffnungen werden freigelegt, der gelbliche Farbanstrich wird originalgetreu wiederhergestellt.

Im Jahre 1982 werden die gesamten Glienicker Parkanlagen durch eine Eintragung als Gartendenkmal unter Schutz gestellt.

Ab 1983 schließlich bemüht sich die Stadt Berlin auch um den An- bzw. Rückkauf des Mobiliars des Schlosses, das sich in Österreich und in der Schweiz im Besitz des Barons Friedrich Cerrini de Montevardi befindet, eines engen Freundes und späteren Erbes des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen d. J. Durch ein Vermächtnis dieses 1985 verstorbenen Barons gelangen einige Stücke des Mobiliars schließlich wieder nach Berlin. Reste des Privatarchivs des Prinzen Karl werden noch zu Lebzeiten des Barons durch das Land Berlin käuflich von ihm erworben. Auch Teile der antiken Trümmer, die früher den Park zierten, werden so wieder nach Berlin geholt.

In der Folgezeit wird in Vorbereitung der 750-Jahr-Feier Berlins im Jahre 1987 über die Nutzung des Schlosses immer wieder diskutiert. Im Gespräch sind ein staatliches Gästehaus, ein Museum oder auch ein Zentrum für eine Dokumentation von kunstgeschichtlichem Gartenbau. Eine Entscheidung wird zunächst nicht getroffen.

Am 14. Januar 1986 beschließt der Berliner Senat die umfassende Restaurierung des gesamten Schlosses, die bis zum Jahre 1990 abgeschlossen sein soll. Dabei wird schließlich auch eine endgültige Entscheidung über die Nutzung des Schlosses getroffen: Geplant ist nun der Umbau zu einem Museum, verbunden mit einer Ausstellung über die Potsdamer Parklandschaft von der Pfaueninsel über Glienicke bis nach Babelsberg und Sanssouci; dies insbesondere deshalb, weil Glienicke der einzige Landschaftspark des Potsdamer Kulturraumes innerhalb der Berliner Stadtgrenzen ist. Auch das gartenhistorische Forschungs-, Ausbildungs- und Dokumentationsinstitut soll Räume im rekonstruierten Schloß erhalten. Die bis dahin im Schloß untergebrachte Heimatvolkshochschule zieht in das benachbarte Jagdschloß Glienicke um.

1987, anläßlich der 750-Jahr-Feier Berlins, ist das Schloß dann erstmals seit langem wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Und auch, wenn zu diesem Zeitpunkt noch kein dauerhaftes Museum eingerichtet werden kann, wird doch eine Ausstellung “Glienicke - Bewohner, Künstler, Parklandschaft” eröffnet, die die Geschichte Glienickes dokumentiert.

Das Jahr 1988 bringt für die Stadthistoriker eine Überraschung mit sich: im Erdgeschoß des Kavaliersflügels des Schlosses hat man den alten Marstall des Prinzen Karl wieder freigelegt. Dieser war in all den Jahren praktisch in Vergessenheit geraten. Sofort nach der Freilegung wird er ebenfalls in die Rekonstruktionsarbeiten einbezogen. Wie man bald feststellt, hatte sich unter der Überbauung der Nachkriegszeit die originale Bausubstanz fast vollständig erhalten.

Die Teufelsbrücke, in den dreißiger Jahren in völliger Verkennung der Situation fälschlicherweise “repariert”€, wird im Rahmen der weiter voranschreitenden Restaurierungsarbeiten schließlich wieder zur Ruine zurückgebaut, wie sie es von Anfang gewesen war.

1989/90 setzen die Wende im Osten Deutschlands und Berlins und die nachfolgende Wiedervereinigung des Landes den Arbeiten und Planungen an Schloß und Park ein vorläufiges Ende. Sie werden in größerem Maße erst im Jahre 2000 fortgesetzt.

Mit dem Fall der Mauer und der Öffnung der Glienicker Brücke rücken Schloß und Park plötzlich wieder ins Zentrum der Berliner und Potsdamer Seen-, Park- und Schloßlandschaft. 1990 wird Glienicke gemeinsam mit der Pfaueninsel und dem Blockhaus Nikolskoe in die internationale UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes aufgenommen - als Bestandteil des baukunst- und kulturgeschichtlichen Ensembles der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft.

1995 kann das Schloß für Besucher eröffnet werden. Es geht schließlich in die Zuständigkeit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg über. 2000 folgt ihm auch der Park.

Von 2001 bis 2003 wird ein weiterer bedeutender Teil des Parks restauriert: der von Persius angelegte Wasserfall an der Teufelsbrücke soll wie in früheren Zeiten seine Fluten über die Granitfelsen zur Havel hinabstürzen. Noch sind die Arbeiten jedoch nicht vollständig abgeschlossen.

Heute ist Glienicke mit seinem Schloß und seinem Park eine grüne Oase am Rande der Großstadt Berlin und ein beliebtes Ausflugsziel für die Berliner. Und es bedarf nicht allzuviel Phantasie, um die Bilder von Italien, dem Mittelmeer und den Alpen, die Prinz Karl gesehen und hier verewigt hat, wahrzunehmen und sich dorthin zu versetzen. Und wem das nicht genug ist, der wandert von hier aus direkt am Ufer der Havel nach Moorlake oder zum Blockhaus Nikolskoe und vielleicht sogar bis zur Pfaueninsel...

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Zuletzt geändert: 07 August, 2012